Sport

Als nahezu vollständig erblindet starte ich in der internationalen paralympischen Wettkampfklasse B1 gemeinsam mit einem sehenden Guide. Geführt von seinen Kommandos starte ich sowohl im Biathlon- als auch im Langlaufweltcup.

Bei den Damen werden folgende Wettkämpfe ausgetragen:

Biathlon

Langlauf

Im Langlauf gibt es alle Wettkämpfe im Freistil und in klassischer Technik, je nach Veranstaltung wird durchgewechselt:

Beim Schießen verlasse ich mich auf mein Gehör. Über Kopfhörer höre ich Töne in unterschiedlichen Frequenzen, je näher am Mittelpunkt umso höher. Wie bei sehenden Biathleten besteht die Kunst darin, im richtigen Moment – das heißt für mich beim höchsten Ton – in Ruhe abzudrücken.

Meine Helfer

Martin und seine Frau stehen dicht nebeneinander und lachen in die Kamera
Meine größten Unterstützer: Martin Härtl und seine Frau, Christine Lippert

Mein Training funktioniert nur, weil mir viele Menschen und Verbände helfen. Martin Härtl ist seit vielen Jahren mein sehender PSV München, dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern und dem Deutschen Behindertensportverband.

Bei Weltcups des Internationalen Paralympischen Komittees (IPC) bin ich mit der deutschen Nationalmannschaft und dem Bundestrainer Ralf Rombach unterwegs. Von dem Team aus Physiotherapeuten, Trainern, Technikern und Helfern werden meine Teamkollegen und ich gut betreut. Vielen Dank!

Wie geht das genau mit dem Schießen?

Clara liegt am Schießstand und hält die Waffe in  Richtung Ziel. Sie trägt einen weiß-türquise-schwarzen Rennanzug und eine Startnummer und hat große Kopfhörer auf
© Ralf Kuckuck | DBS-Akademie

In der Klasse der Sehbehinderten wird auditiv mit einem elektronischen Gewährsystem geschossen. Die Zielscheiben sind 10 m entfernt und haben einen Durchmesser von 21 mm.

Geschossen wird ausschließlich im Liegen. Die Waffen sind einheitlich genormt und liegen an den Schießständen bereit.

Am Anfang des Schießstandbereichs reicht der sehbehinderte Athlet dem Guide seine Stöcke und wird an diesen bis zur Schießmatte geführt. Der Guide muss dann zurücktreten und darf nichts mehr sagen, sonst werden beide disqualifiziert.

Der Biathlet ertastet die Lage der Waffe und legt sich entsprechend dahinter. Der Kopfhörer wird aufgesetzt und das Gewehr aufgenommen. Je nachdem, in welchem Winkel die Waffe zur Zielscheibe gehalten wird, also wohin gezielt wird, bekommt der Athlet eine andere Tonfrequenz über den Kopfhörer übermittelt. Außerhalb des Zielbereichs ist es ein schnelles, tiefes Tack-Tack-Tack. Auf der Zielscheibe wird der Ton durchgehend und je näher man am Zentrum ist, immer höher.

Nun gilt es, möglichst schnell, den höchsten Ton zu ermitteln, die Waffe, trotz hohem Puls, ruhig zu halten und ab zu drücken.

Eine Serie hat fünf Schuss. Ein Fehler wird akustisch mit einem tiefen, »negativ-klingenden« Ton, ein Treffer mit zwei höheren, »freundlichen« Tönen angezeigt. Außerdem erscheint für Kampfrichter und Zuschauer auf der Zielscheibe ein rotes oder grünes Licht.

Je nach Wettkampf wird dann entweder für jeden Fehler eine Strafrunde gelaufen, oder eine Strafzeit auf die Laufzeit addiert.

Welche Startklassen gibt es im Ski Nordisch?

Bei Wettkämpfen des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) gibt es drei verschiedene Startklassen:

  • Visual Impaired (Sehbehinderte Athleten)
  • Sitting (Athleten, die sitzend fahren)
  • Standing (Athleten mit körperlichen Einschränkungen, die aber stehend laufen)

Innerhalb dieser drei Startklassen wird mit Hilfe eines Prozentsystems ein möglichst fairer Wettkampf zwischen Athleten mit unterschiedlich starken Einschränkungen ausgetragen. Meine Startklasse »Visual Impaired« hat wiederum die drei Unterklassen, B3, B2 und B1. Dabei werden bei den Athleten der Klasse B3, die noch einiges auf der Strecke erkennen können, 100% ihrer Laufzeit gewertet. Wer sehr schlecht sieht, startet in der Klasse B2 und bekommt 99% der Laufzeit gewertet. In der Klasse B1 starten Athleten, die gar nichts oder so wenig sehen, dass sie von der Strecke und ihrem Guide nichts erkennen können, so wie ich. Wir müssen im Wettkampf zudem eine völlig abgedunkelte Brille tragen und bekommen nur 88% der Laufzeit gewertet. So können alle sehbehinderten Athleten gegeneinander antreten, obwohl sie unterschiedlich gut sehen.